Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage: Bürgerinitiative wehrt sich gegen Hochhäuser und fehlende Mitsprache

09. Februar 2026 13:21

Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage Bürgerinitiative gegen Hochhäuser

Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage: Bürgerinitiative wehrt sich

Die Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage sorgt für wachsenden Protest im Kiez, weil drei geplante Hochhäuser das Ortsbild und die Lebensqualität vieler Anwohner massiv verändern würden. Aus einer vermeintlichen Lückenschließung ist ein Großprojekt geworden, das exemplarisch zeigt, wie Nachverdichtung nach Paragraph 34 Baugesetzbuch Konflikte verschärfen kann, wenn Bürgerbeteiligung zu kurz kommt.

Seit über vier Jahrzehnten blickten Anke und Jens Preuß von ihrem Balkon auf die flache Kleeblatt-Passage in Marzahn, ein kleines Nahversorgungszentrum im Schatten der Plattenbauten. Heute dominiert der Abriss die Kulisse, denn die Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage sieht drei Hochhäuser vor, von denen eines bis zu 17 Stockwerke erhalten soll, während die umgebenden Gebäude bislang maximal elf Etagen aufweisen. Für viele Anwohnerinnen und Anwohner ist das ein gravierender Einschnitt in ihr gewohntes Umfeld und ein Beispiel dafür, wie Nachverdichtung ohne Einbindung des Kiezes ablaufen kann.

Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage: Worum es konkret geht

Kern des Konflikts ist ein Teilabriss der Kleeblatt-Passage an der Hohensaatener Straße, der Platz für einen neuen Wohn- und Gewerbekomplex mit hohen Türmen schaffen soll. Die Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage bedeutet, dass zwei Drittel der bisherigen Passage verschwinden und durch Neubauten mit deutlich größerer Höhe ersetzt werden. Während der Bezirk und der Eigentümer darin eine Chance für neue Wohnungen und Gewerbeflächen sehen, empfinden viele Anwohner dies als überdimensioniert und nicht kiezverträglich.

Die betroffenen Menschen kritisieren, dass sie vor allem mit bereits fertigen Plänen konfrontiert wurden, anstatt frühzeitig in die Entwicklung eingebunden zu sein. Vielen geht es nicht darum, jede Form von Neubau zu verhindern, sondern die Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage so zu gestalten, dass sie zur bestehenden Struktur passt und soziale, ökologische und städtebauliche Aspekte berücksichtigt.

Bürgerinitiative gegen Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage

Aus der Betroffenheit heraus gründeten Anwohner eine Bürgerinitiative, die für eine maßvolle und sozialverträgliche Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage eintritt. Die Initiative fordert einen moderaten Neubau mit höchstens vier Geschossen, wie es zuvor bereits in anderen Beschlüssen und Empfehlungen im Bezirk diskutiert wurde. Ihr Ziel ist es, Hochhausprojekte zu verhindern, die das vertraute Ortsbild sprengen und zusätzliche Belastungen für Verkehr, Klima und Infrastruktur mit sich bringen.

Gemeinsam mit weiteren Initiativen aus Marzahn sammelte das Bündnis rund 2300 Unterschriften, um den Protest gegen die Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage sichtbar zu machen. Diese Unterschriften wurden zusammen mit einem offenen Brief an den Berliner Bausenator übergeben, in dem die Anwohner mehr Mitsprache, Transparenz und eine Überprüfung der planungsrechtlichen Grundlagen fordern. Die Initiative versteht sich als Teil einer breiteren Bewegung im Bezirk, die Nachverdichtung nicht grundsätzlich ablehnt, sondern an klare ökologische und soziale Leitplanken binden möchte.

Paragraph 34 BauGB: Rechtsgrundlage der Nachverdichtung

Im Zentrum der Kritik steht die Anwendung von Paragraph 34 Baugesetzbuch, der häufig als „Lückenschluss-Paragraph“ bezeichnet wird. Der Paragraph ermöglicht Bauvorhaben im unbeplanten Innenbereich, wenn sie sich nach Art und Maß in die vorhandene Bebauung einfügen und die Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse sowie das Ortsbild gewahrt bleiben. Gerade in Ost-Berliner Quartieren wie Marzahn kommt Paragraph 34 häufig zum Einsatz, weil es dort weniger ältere Bebauungspläne gibt als in vielen West-Bezirken.

Die Bürgerinitiative bemängelt, dass die Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage diese Grenzen überschreite, weil die geplanten Hochhäuser das bisher flache Ortsbild deutlich überragen. Aus ihrer Sicht wird Paragraph 34 hier genutzt, um aufwändige Planungsverfahren und förmliche Beteiligungsprozesse zu umgehen, obwohl die Auswirkungen des Projekts weit über einen einfachen Lückenschluss hinausgehen. Stadtentwicklungsexperten weisen darauf hin, dass unter Paragraph 34 durchaus strittig sein kann, ob ein Projekt noch als Einfügen gilt oder bereits „bodenrechtlich beachtliche Spannungen“ erzeugt.

Argumente der Anwohner: Lebensqualität, Ortsbild, Klima

Die Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage ruft vielfältige Sorgen hervor, die über die reine Gebäudehöhe hinausgehen. Anwohnerinnen und Anwohner befürchten Verschattung, Verlust von Weitblick, zusätzliche Lärm- und Verkehrsbelastung sowie eine weitere Verdichtung von Flächen, die bislang als Luftschneisen und Aufenthaltsräume dienten. Gerade am Rand von Marzahn spielen die Freiräume und die Nähe zu Grünzügen eine wichtige Rolle für das lokale Stadtklima und das Wohlbefinden der Menschen.

Bereits in anderen Projekten im Umfeld wurde kritisiert, dass Nachverdichtung zu wenig Rücksicht auf bestehende Grünflächen, Bäume und Versickerungsflächen nimmt. Im Kontext der Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage wird daher befürchtet, dass zusätzliche Versiegelung das Mikroklima verschlechtert und Hitzebelastungen im Quartier verstärkt. Hinzu kommen Fragen der Infrastruktur: Parkplätze, soziale Einrichtungen und Nahversorgung müssen Schritt halten, damit der Kiez lebenswert bleibt.

Position des Bezirks und des Bausenators

Der zuständige Bezirk verweist darauf, dass die Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage bauplanungsrechtlich zulässig sei und man andernfalls mit hohen Entschädigungsforderungen rechnen müsse. Würde die Baugenehmigung verweigert, könnten dem Bezirk nach eigener Darstellung Millionenbeträge an Schadenersatz drohen, die der Haushalt nicht tragen könne. Damit wird die Debatte um Nachverdichtung zu einer Frage der finanziellen Risiken und der Rechtssicherheit, die politische Spielräume spürbar einengt.

Der Berliner Bausenator betont im Zusammenhang mit Projekten wie der Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage den hohen Druck auf dem Wohnungsmarkt und die Notwendigkeit, mehr bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Er verweist darauf, dass höhere Gebäude Flächenverbrauch reduzieren können, wenn nicht auf der grünen Wiese, sondern innerhalb bestehender Quartiere gebaut wird. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie dieser Ansatz mit dem Anspruch auf gesunde Wohnverhältnisse, ausreichende Freiräume und ein stimmiges Ortsbild vereinbart werden kann.

Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage im größeren Kontext

Die Auseinandersetzung um die Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage ist kein Einzelfall, sondern reiht sich in eine Serie von Konflikten um dichte Bebauung in Berlin ein. In mehreren Quartieren in Marzahn-Hellersdorf haben Bürgerinitiativen, Mietervereine und lokale Gruppen Proteste organisiert, um auf die sozialen und ökologischen Folgen massiver Nachverdichtung hinzuweisen. Sie kritisieren, dass notwendiger Wohnungsbau zu oft einseitig über Verdichtung in ohnehin belasteten Quartieren realisiert wird, während andere Potenziale wie Brachflächen und unfertige Projekte ungenutzt bleiben.

Der Konflikt macht auch Unterschiede in der Planungskultur sichtbar: Während im Westteil der Stadt durch alte Bebauungspläne häufig formale Beteiligungsverfahren vorgesehen sind, wird in Ost-Bezirken öfter nach Paragraph 34 gebaut. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Beteiligungsmöglichkeiten und das Gefühl, dass Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage und ähnliche Projekte im Osten mit weniger demokratischer Kontrolle durchgesetzt werden. Diese Wahrnehmung verstärkt Debatten um Gerechtigkeit zwischen Ost und West und um gleichwertige Lebensverhältnisse innerhalb der Stadt.

Wege zu einer nachhaltigen und fairen Nachverdichtung

Aus Sicht vieler Anwohnerinnen und Anwohner braucht es klare Leitlinien, wie Nachverdichtung gestaltet werden soll, damit Projekte wie die Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage nicht als Übergriff, sondern als gemeinsame Entwicklung verstanden werden. Dazu gehören transparente Verfahren, frühzeitige Bürgerbeteiligung und verbindliche Vorgaben zu Bauhöhen, Freiflächen, Klima- und Lärmschutz. Fachkonzepte des Landes Berlin zur Nachverdichtung von Gewerbe- und Wohnstandorten betonen ebenfalls, dass städtebauliche Einbindung und Umweltbelange integraler Bestandteil solcher Vorhaben sein müssen.

Die Anwohnerinitiativen in Marzahn fordern, dass Nachverdichtung nicht nur die Interessen von Investoren und die abstrakte Zahl neuer Wohnungen im Blick hat, sondern konsequent an Lebensqualität, sozialer Infrastruktur und Klimaresilienz ausgerichtet wird. Für die Nachverdichtung Marzahn Kleeblatt-Passage heißt das konkret: geringere Bauhöhen, Erhalt wichtiger Grünstrukturen, eine Verbesserung der Nahversorgung und eine echte Mitgestaltung durch die Menschen vor Ort. Wenn solche Projekte gemeinsam entwickelt werden, könnte Nachverdichtung vom Konfliktthema zum Baustein einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung werden.

Zum RBB Beitrag: https://www.rbb-online.de/abendschau/videos/20260207_1930/initiative_gegen_nachverdichtung.html

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