Eisregen stoppt Baum-Massaker Lichtenberg – vorerst
Im Joachimsthaler Karree an der Joachimsthaler Ecke Plauener Straße hat der Eisregen das geplante Baum-Massaker Lichtenberg vorerst gestoppt. Die Howoge wollte am Montagmorgen ab 7 Uhr mit der Fällung von mehr als 50 Bäumen im Innenhof beginnen, doch wegen Glatteis rückten die beauftragten Firmen nicht an.
Für die rund 1000 Anwohnerinnen und Anwohner, die seit Jahren gegen die Zerstörung ihrer grünen Innenhof-Idylle kämpfen, war das extreme Winterwetter ein unverhoffter Verbündeter. Während Glätte und Kälte in der Stadt zu massiven Behinderungen im Nahverkehr und zu Unfällen führten, bedeutete der Eisregen im Kiez zunächst einmal Aufschub.
Was im Joachimsthaler Karree geplant ist
Im Innenhof, der etwa so groß ist wie ein Fußballfeld, sollen nach den Plänen der Howoge mehr als 50 Bäume, ein Mietergarten und ein Spielplatz verschwinden. Auf der Fläche will die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft im Auftrag des Senats zwei neue Wohnhäuser mit insgesamt 105 Wohnungen errichten, die nach Einschätzung der Bauverwaltung dringend benötigt werden.
Aus Sicht der Mieterschaft ist der Hof jedoch weit mehr als eine Reservefläche für Neubau:
- gewachsener Baumbestand mit wichtiger Klimafunktion
- Mietergarten als Nachbarschaftsprojekt
- Spielplatz und Aufenthaltsflächen für Kinder und Familien
- Lebensraum für Vögel, Eichhörnchen, Igel und zahlreiche Insekten
Mit dem Baum-Massaker Lichtenberg würden diese Qualitäten weitgehend verloren gehen, lange bevor die geplanten Neubauten überhaupt bezugsfertig sind.
Eisregen stoppt Baum-Massaker Lichtenberg: Der Morgen, an dem die Kettensägen schwiegen
Halteverbotsschilder waren im Wohngebiet bereits seit Tagen aufgestellt worden, um Platz für die Fahrzeuge der Baumfällkolonnen zu schaffen. Viele Mieterinnen und Mieter rechneten fest damit, am frühen Montagmorgen das Kreischen der Kettensägen zu hören.
Stattdessen blieben die Fahrzeuge auf den glatten Straßen stecken – und im Joachimsthaler Karree blieb es still. Mietersprecherin Regine Mahnke berichtete, man habe angesichts der angekündigten Arbeiten mit dem Schlimmsten gerechnet, sei dann aber erleichtert gewesen, dass dank des Eisregens niemand anrückte.
Die Howoge bestätigte, dass die für diesen Tag geplanten Baumfällungen kurzfristig wegen Glatteis verschoben werden mussten. Wann die Arbeiten nachgeholt werden, ist derzeit offen und hängt laut Unternehmen davon ab, wie lange die extremen Wetterbedingungen in Berlin anhalten.
Zeitdruck bis zum 27. Februar und Bundesnaturschutzgesetz
Der Zeitdruck im Zusammenhang mit dem Baum-Massaker Lichtenberg ist erheblich: Die Howoge will die Bäume, den Mietergarten und den Spielplatz spätestens bis zum 27. Februar beseitigt haben. Hintergrund ist die gesetzliche Schutzfrist nach dem Bundesnaturschutzgesetz, die vom 1. März bis zum 30. September gilt.
In diesem Zeitraum besteht ein generelles Verbot, Bäume, Hecken und Gehölze außerhalb von Wäldern und gärtnerisch genutzten Flächen zu fällen oder stark zurückzuschneiden, um nistende Vögel und andere wildlebende Tiere zu schützen. Für die Howoge bedeutet das: Je mehr Tage der Eisregen den Beginn der Fällarbeiten verschiebt, desto enger wird das Zeitfenster vor dem 1. März.
Der Baubeginn für die neuen Wohnhäuser ist nach wie vor für das Frühjahr geplant, die Fertigstellung des Projekts ist für Anfang 2028 vorgesehen. Verzögerungen bei den Fällarbeiten könnten den Gesamtzeitplan ins Wanken bringen, was die Bedeutung jeder weiteren Frostperiode aus Sicht der Bauherrin zusätzlich erhöht.
Hoffnung der Mieter: Eisregen stoppt Baum-Massaker Lichtenberg bis zum 1. März
Viele Bewohnerinnen und Bewohner des Joachimsthaler Karrees verbinden mit dem anhaltenden Winterwetter die Hoffnung auf mehr als nur ein paar Tage Aufschub. Manche von ihnen würden sich wünschen, dass die extreme Wetterlage noch bis zum 1. März anhält, um die Fällsaison faktisch zu blockieren.
Mietersprecherin Mehnert betont, der Innenhof sei ein wichtiger Lebensraum für Vögel, Eichhörnchen, Igel und Insekten und damit aus natur- und artenschutzfachlicher Sicht besonders schützenswert. Sollte das Bauvorhaben wie geplant umgesetzt werden, werde dieser Lebensraum bis 2028 vollständig verschwunden sein, wenn die neuen Häuser stehen.
Für die Anwohnenden geht es dabei nicht nur um die eigene Aussicht, sondern auch um Fragen der Klimaresilienz im Quartier, um Schatten in Hitzeperioden, bessere Luftqualität und sozialen Zusammenhalt im Kiez.
Eisregen stoppt Baum-Massaker Lichtenberg – Symbol für einen größeren Konflikt
Der temporäre Stopp des Baum-Massakers Lichtenberg durch Eisregen macht exemplarisch sichtbar, wie stark die Konflikte zwischen Wohnungsneubau und Stadtnatur inzwischen eskaliert sind. In Berlin werden regelmäßig Innenhöfe, kleine Parks und Straßenbäume zur Disposition gestellt, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, oft ohne dass der ökologische Wert der Bestandsgrünflächen angemessen berücksichtigt wird.
Stadtnatur leistet jedoch zentrale Beiträge zur Klimaanpassung in Metropolen: Bäume kühlen die Umgebung, speichern Kohlenstoff, filtern Schadstoffe aus der Luft und bieten Rückzugsräume für zahlreiche Tierarten. Insbesondere große Innenhofbäume in dicht bebauten Quartieren sind durch keine kurzfristigen Ersatzpflanzungen vollständig zu ersetzen.
Der Fall im Joachimsthaler Karree zeigt, wie sich solche Konflikte zuspitzen, wenn Planungen bereits weit vorangeschritten sind und zeitliche Zwänge rund um die naturschutzrechtliche Fällfrist entstehen. Der Umstand, dass ausgerechnet Eisregen das Baum-Massaker Lichtenberg vorerst aufhält, wirkt dabei wie ein zugespitztes Symbol für den Kampf um jede verbleibende Grünfläche im Stadtgebiet.
Was Initiativen aus dem Fall „Eisregen stoppt Baum-Massaker Lichtenberg“ lernen können
Für Stadtnatur- und Mieterinitiativen in Berlin lassen sich aus der aktuellen Situation mehrere Ansatzpunkte ableiten:
- Frühzeitige Öffentlichkeitsarbeit: Je früher Anwohnende informiert sind, desto besser können sie Protest, Informationsveranstaltungen und politische Gespräche organisieren.
- Rechtliche Rahmenbedingungen kennen: Das Wissen um Schutzfristen nach dem Bundesnaturschutzgesetz und artenschutzrechtliche Gutachten kann Spielräume eröffnen, wenn Bäume in letzter Minute noch geschützt werden sollen.
- Klimaschutz- und Gesundheitsargumente einbringen: Neben Artenschutz und Aufenthaltsqualität werden zunehmend auch gesundheitsbezogene und klimabezogene Argumente in politische Entscheidungen einbezogen.
- Vernetzung mit berlinweiten Stadtnaturbündnissen: Gemeinsame Kampagnen und Erfahrungsaustausch stärken lokale Initiativen und erhöhen den Druck auf Politik und landeseigene Unternehmen.
BBNS dokumentiert solche Fälle, um sie in einen größeren stadtweiten Kontext zu stellen und die Debatte um eine sozial-ökologische Stadtentwicklung zu unterstützen.
Quellen
- Eisregen stoppt Baum-Massaker der Howoge https://www.berliner-kurier.de/berlin/eisregen-stoppt-in-lichtenberg-baum-massaker-der-howoge-li.10015918
- Baum-Massaker Lichtenberg: Wie die Howoge eine Hof-Idylle bedroht https://www.bbns.info/baum-massaker-lichtenberg-joachimsthaler-carree/
- Bundesnaturschutzgesetz § 39 – Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen https://www.gesetze-im-internet.de/bnatschg_2009/__39.html
- BfN – Naturschutzrechtliche Grundlagen zu Gehölzschnitt und Baumfällungen https://www.bfn.de
- Mieterinitiative-Joachimsthaler-Carrée https://joachimsthaler-carree.de