Ilse-Kiez Howoge: Gerichtsstopp als kraftvoller Etappensieg für Artenschutz und grüne Innenhöfe in Berlin

27. Februar 2026 19:21

Ilse-Kiez Howoge: Gerichtsstopp als kraftvoller Etappensieg für Artenschutz und grüne Innenhöfe in Berlin

Ilse-Kiez Howoge: Warum der Gerichtsstopp mehr ist als ein lokaler Konflikt

Im Fall Ilse-Kiez Howoge hat das Verwaltungsgericht Berlin die geplanten Rodungen für ein Neubauprojekt in Karlshorst vorerst gestoppt und damit einen starken Akzent für den Artenschutz und den Erhalt grüner Innenhöfe gesetzt. Die Entscheidung wirkt weit über den Kiez hinaus, weil hier Grundfragen nachhaltiger Stadtentwicklung, Wohnungsbaupolitik und Klimaanpassung aufeinandertreffen.

Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE wollte in den grünen Innenhöfen an Ilse- und Marksburgstraße rund 230–240 Wohnungen in mehreren Neubauten errichten. Dafür sollten nahezu 100 Bäume sowie zahlreiche Sträucher und Gehölze fallen – in einem der letzten größeren, zusammenhängenden Grünzüge in Karlshorst-West, der als „Klimaanlage“ des Viertels gilt.

Ilse-Kiez Howoge: Was genau geplant war

Im Projekt Ilse-Kiez Howoge ist vorgesehen, zehn Neubauten mit vier bis sechs Geschossen in bestehende Hofstrukturen einzufügen. Die Anlage stammt aus den 1950er Jahren, verfügt über großzügige Höfe mit Altbäumen, Spielplätzen und Aufenthaltsflächen und wird von Bewohnenden als gewachsener sozialer und ökologischer Raum beschrieben.

Kernpunkte der Planung:

  • ca. 237–246 neue Mietwohnungen in elf Gebäuden.
  • Verlust eines Großteils der vorhandenen Bäume und Strauchstrukturen.
  • starke Reduktion zusammenhängender Freiflächen, die heute für Spiel, Begegnung, Durchlüftung und Verschattung sorgen.

Aus Sicht vieler Anwohnender, des BUND Berlin und weiterer Initiativen steht Ilse-Kiez Howoge beispielhaft für eine Form der Nachverdichtung, die die Belastungsgrenzen eines Quartiers deutlich überschreitet.

Ilse-Kiez Howoge und Artenschutz: Fledermäuse und Spatzen im Mittelpunkt

Der Etappensieg im Verfahren Ilse-Kiez Howoge beruht maßgeblich auf Mängeln im Artenschutz. In den Höfen wurden unter anderem Haussperlinge und Fledermäuse nachgewiesen, die nach EU- und Bundesrecht streng geschützt sind.

Der BUND Berlin kritisiert, dass:

  • CEF-Maßnahmen (funktionserhaltende Ersatzlebensräume) für den Haussperling noch nicht ausreichend umgesetzt und in ihrer Wirksamkeit nicht nachgewiesen wurden.
  • der Erhaltungszustand der Zwergfledermaus nicht nachvollziehbar bewertet wurde, was für eine artenschutzrechtliche Ausnahme zwingend erforderlich ist.

Das Verwaltungsgericht folgte dieser Argumentation im Kern: Die HOWOGE darf im Ilse-Kiez derzeit keine Bäume und Sträucher roden, weil unklar ist, ob der Erhaltungszustand der geschützten Arten durch das Vorhaben verschlechtert würde. Damit setzt der Beschluss im Fall Ilse-Kiez Howoge ein klares Zeichen: Artenschutzrecht ist ernst zu nehmen und kann Rodungen stoppen, wenn Behörden und Vorhabenträger ihre Hausaufgaben nicht machen.

Ilse-Kiez Howoge als Symbol: Stadtgrün, Klima und soziale Räume

Der Konflikt um Ilse-Kiez Howoge wird in Medien und Initiativen zunehmend als Symbolfall für den Umgang mit Stadtgrün im bestehenden Wohnquartier wahrgenommen. Die Innenhöfe des Kiezes sind:

  • Biotope mit alten Bäumen, Nistplätzen, Insekten- und Fledermausvorkommen.
  • soziale Räume für Kinder, Familien und ältere Menschen, in denen Spiel, Begegnung und Ruhe möglich sind.
  • Klimaschutzelemente, die durch Schatten, Verdunstung und Luftaustausch zur Abkühlung beitragen.

Ersatzpflanzungen, begrünte Dächer oder kleine Ersatzflächen können die Funktionen eines gewachsenen Innenhof-Biotops über Jahrzehnte hinweg nicht ersetzen, wie lokale Analysen zum Ilse-Kiez betonen. Im Kontext von Ilse-Kiez Howoge wird damit deutlich, dass Nachverdichtung ohne robuste Grün- und Klimastrategie die Lebensqualität massiv verschlechtern kann.

David gegen Goliath: Bürgerinitiative, BUND und BBNS

Die Auseinandersetzung um Ilse-Kiez Howoge ist auch ein Beispiel dafür, was engagierte Nachbarschaften gemeinsam mit Umweltverbänden und Bündnissen erreichen können.

Wesentliche Akteure:

  • Die Bürgerinitiative „Rettet den Ilse-Kiez“, die seit Jahren informiert, Petitionen organisiert, mit Politik und Verwaltung spricht und Medien einbindet.
  • Der BUND Berlin, der die artenschutzrechtlichen Defizite aufgearbeitet und Klage gegen die Ausnahmegenehmigung der Senatsverwaltung eingereicht hat.
  • Das Berliner Bündnis Nachhaltige Stadtentwicklung (BBNS), das ähnliche Fälle im ganzen Stadtgebiet begleitet, vernetzt und rechtliche wie politische Erfahrungen bündelt.

Der Erfolg im Eilverfahren zeigt: Gut dokumentierte Fakten, fachliche Expertise und lang Atem können in einem scheinbar unausgeglichenen Kräfteverhältnis – Ilse-Kiez Howoge als landeseigene Bauträgerin auf der einen, eine Kiezinitiative auf der anderen Seite – zu handfesten Ergebnissen führen.

Ilse-Kiez Howoge: Einordnung in die Berliner Bau- und Umweltpolitik

Im Fall Ilse-Kiez Howoge prallen zwei politische Ziele aufeinander: dringend benötigter Wohnungsbau und der Schutz von Stadtgrün sowie Artenvielfalt. Während der Senat gesamtstädtische Interessen und Nachverdichtung betont, warnen Bezirk, Initiativen und Fachleute vor einer systematischen Schwächung grüner Innenhöfe.

Mehrere Aspekte stechen heraus:

  • Der Bezirk Lichtenberg hat das HOWOGE-Vorhaben bereits 2016 kritisch bewertet und auf die Bedeutung der Höfe für Stadtklima und Lebensqualität hingewiesen.
  • Der Senat verwies auf § 13a BauGB (Bebauungspläne der Innenentwicklung) und setzte auf beschleunigte Verfahren, in denen Umweltbelange häufig nur eingeschränkt geprüft werden.
  • Der aktuelle Gerichtsbeschluss zwingt nun dazu, die artenschutzrechtlichen Fragen im Ilse-Kiez Howoge deutlich gründlicher zu behandeln.

Damit wird der Ilse-Kiez zu einem Prüfstein dafür, ob landeseigene Wohnungsbaugesellschaften und die zuständigen Verwaltungen bereit sind, Klimaschutz, Artenschutz und soziale Belange als verbindliche Leitplanken ihrer Projekte zu akzeptieren – und nicht nur als nachrangige Randbedingung.

Lehren aus Ilse-Kiez Howoge für andere Kieze

Der Fall Ilse-Kiez Howoge liefert viele übertragbare Erfahrungen für andere Berliner Quartiere, in denen Nachverdichtung in gewachsene Grünräume hinein geplant wird.

Wichtige Lehren:

  • Frühzeitig und systematisch Arten erfassen (Vogelbrut, Fledermäuse, Insekten), um belastbare Daten und Gutachten zu haben.
  • Innenhöfe als zusammenhängende Freiraumsysteme denken, nicht als Summe einzelner Parzellen, die nach Belieben bebaut werden können.
  • Bebauungsalternativen prüfen: Aufstockungen, Randbebauung an Straßen, Nutzung bereits versiegelter Flächen, statt grüner Innenhöfe.
  • Bündnisse schmieden – im Sinne von Ilse-Kiez Howoge: Initiativen, Umweltverbände, Fachleute und bezirkliche Politik zusammenbringen.

Für das BBNS ist Ilse-Kiez Howoge ein weiterer Beleg dafür, dass Baupolitik und Umweltrecht konsistent gedacht werden müssen. Das Bündnis fordert, dass Artenschutzprüfungen, Klimaanalysen und Beteiligung nicht „nachgeschoben“, sondern zur Grundlage von Planungen gemacht werden.

Ilse-Kiez Howoge: Wie es jetzt weitergeht

Der aktuelle Stand im Verfahren Ilse-Kiez Howoge: Die HOWOGE darf vorerst nicht roden, der Eilantrag auf sofortige Vollziehung wurde abgelehnt, und die Klage des BUND gegen die Ausnahmegenehmigung läuft weiter. Bis zu einer endgültigen Entscheidung bleiben die Bäume stehen und die Innenhöfe als Lebensraum erhalten.

Entscheidend wird sein,

  • ob Senatsverwaltung und HOWOGE die artenschutzrechtlichen Vorgaben nacharbeiten oder das Projekt grundsätzlich überarbeiten,
  • ob Alternativplanungen entwickelt werden, die den Erhalt eines größeren Teils der Bäume und Grünstrukturen ermöglichen,
  • und wie Politik und Öffentlichkeit die Signale aus Ilse-Kiez Howoge für andere Vorhaben im Stadtgebiet aufnehmen.

Das Berliner Bündnis Nachhaltige Stadtentwicklung wird den Prozess weiter begleiten, Erfahrungen aus Ilse-Kiez Howoge mit anderen Initiativen teilen und sich dafür einsetzen, dass dieser Gerichtsbeschluss zu einem Wendepunkt in der Berliner Nachverdichtungspraxis wird.

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